Der Wanderer: Madrak


Book Cover: Der Wanderer: Madrak
Teil von Der Wanderer series:
  • Der Wanderer: Madrak

Die Suche des Wanderers führt ihn in die Stadt Kar’Duk. Hier erhofft er im Schwarzen Tempel neue Spuren und Hinweise über seine Vergangenheit oder dem Verbleib von Myrael zu finden.

Doch in den Gassen der Stadt streiten Diebe, Priester und Unterirdische um die Vorherrschaft und der Wanderer sieht sich einem undurchsichtigen Geflecht von Verstrickungen gegenüber. Welche Rolle spielen die drei Weisen? Kann er der Unterirdischen namens Kaliana trauen? Und warum jagen alle ein Artefakt, welches im Tempel versteckt sein soll?

Aber auch ein alter Bekannter taucht wieder auf, denn Herzog Kastanir marschiert mit seinem Heer auf die Stadt zu und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die mächtigen Mauern Kar’Duks sich dem Angriff des Adeligen stellen müssen ...

Reviews:Carl A. schreibt:

"Madrak" ist der dritte Roman und zweite Band aus der Dark Fantasy Reihe "Der Wanderer" von Domonique Stalder. Er erschien 2018 als Taschenbuch und Ebook beim StadWolfVerlag.

 

 

Inhalt:
Die Handlung spielt in der Stadt Kar'Duk, einer sehr vielseitigen Stadt, welche von den grauen Priestern kontrolliert wird. Protagonist ist der Wanderer, der sich nun Madrak nennt und zuvor den Namen Tulan und zuletzt den Namen Haric trug. Abgesehen von der Tatsache, dass Madrak an einen Großteil seiner Vergangenheit keine Erinnerung hat, wird er von einem Fluch heimgesucht, welcher ihm hin und wieder Dämonen auf den Hals hetzt. Jedoch hat er die Fähigkeit Flammen zu erzeugen, mit denen er seine Gegner vernichtet. Madrak ist in der Stadt, um dort im schwarzen Tempel einen Weg in die Unterwelt zu finden, in die seine Freundin Myrael verbannt worden ist. In den schwarzen Tempel zu gelangen, stellt sich als schwieriger heraus, als angenommen und das nicht nur, weil die Grauen Priester ihm keinen Eintritt gewähren.
Die Stadt birgt eine dunkle Geschichte. Jeder scheint den Wanderer für seine Zwecke gewinnen zu wollen. Schon bald ist die Stadt in Gefahr und der Wanderer der Einzige, der etwas dagegen unternehmen kann. Wem kann Madrak vertrauen und was hat es mit drei Weisen und dem Artefakt auf sich?
Zentral ist hierbei Madraks innerer Zwist, von "Richtig" und "Falsch", sowie "Gut" und "Böse". Madrak ist hin und hergerissen, ob er der Stadt helfen soll, oder sich um sein eigenes Ziel kümmern soll. Beim Versuch das Richtige zu tun richtet er meist noch mehr Schaden an.

 

 

Buchkritik:
Leser, die keines der vorherigen Bände gelesen haben, werden keine Schwierigkeiten beim Einstieg haben. Obwohl es sich um das dritte Werk der Reihe handelt, vermittelt der Autor dem Leser, ohne zu viel preiszugeben, von Anfang an sehr gut, worum es geht und welche Beweggründe den Protagonisten antreiben.
So werden Stück für Stück Informationen über Vorangegangenes mitgeteilt, ohne den Erzählfluss zu unterbrechen. Auf diese Weise erfährt man bereits im Prolog, dass der Wanderer auf der Suche nach Myrael ist und er an der dafür verantwortlichen Drakatia bereits Rache geübt hat. Anschließend wird schnell klar, welche Rolle der im Einstieg aufgetauchte Dämon spielt und, dass sein ehemaliger Herr namens Söldnergeneral Tarak unter anderem ein Dorf terrorisiert hat und vom Protagonisten für seine Taten getötet wurde, während Dämon und Wanderer ein Gespräch führen. Dies zieht sich durch das ganze Buch.

 

Auch später kommt man als Leser stets gut mit, ohne das Interesse zu verlieren. Das Verhältnis von im Geschehen voranbringender Handlung und dem Einfließen neuer Informationen ist so gut wie immer ausgewogen.
Informative Gespräche und Diskussionen, sowie Konflikte wechseln sich andauernd ab. Nachdem der Wanderer die Stadt betreten hat, gerät dieser beispielsweise in einen Streit mit den grauen Wachen, woraufhin im nächsten Kapitel sein Weg zum Schwarzen Tempel beschrieben wird und der Leser sich einen besseren Einblick in die Umgebung machen kann.

 

Der magische und technische Hintergrund, der das Gerüst der Handlung darstellt, ist weder zu simpel noch zu übertrieben ausgearbeitet, wodurch durchaus Interesse geweckt wird, aber der Leser keinesfalls Gefahr läuft nicht mehr durchzublicken.
Zum einen ist der technische Stand der Gesellschaft ungefähr mit dem des Mittelalters gleichzusetzen, während die magischen Fähigkeiten der Magienutzer leicht zu verstehen und minimalistisch gehalten werden. Zum anderen ist die Welt der Dämonen gut strukturiert und in 5 Dämonen-Ränge mit den über allem stehenden 7 Fürsten eingeteilt. Dieses Hintergrundwissen wird Stück für Stück vermittelt, wobei dieser Band keineswegs alles Tiefgreifende preisgibt.

 

Stalder versteht es sehr gut dem Leser die Umgebung und die Sinneseindrücke des Protagonister in jeder Situation zu übermitteln. Der Leser kann in das Geschehen eintauchen und den Moment an sich exzellent nachempfinden und miterleben.
Dies erreicht Stalder nicht etwa durch Beschreibungen der Gefühle, sondern durch lebhafte Beschreibung der Umstände. Hierbei bedient er sich sehr vieler ausdrucksstarker Komposita und Vergleiche. “Die Eiseskälte stach in seine Haut, gleich einem Schmerz, der den Spitzen hunderter Nadeln entsprang.” In diesem Beispiel wird darauf verzichtet hervorzuheben, wie kalt Madrak doch ist, stattdessen bekommt der Leser selbst den Eindruck, ihm sei unvorstellbar kalt. “Der erste tiefe Atemzug trieb ihm die Tränen in die Augen. Die Luft war geschwängert von unzähligen Aromen, unter anderem dem intensiven Geruch von Fäkalien” Auch Gerüche, Farben und die Hervorhebung von Baumaterialien und Modeerscheinungen werden verwendet, um den Leser die Eindrücke des Protagonisten zu übermitteln. “Edles Holz, Marmor und teils aufwendige Arabesken in Stein, Eisen oder Bronze schmückten die ohnehin großen Häuser. Helle Wände und viele bunte Fenster, kleine Bäume oder auch Brunnen zierten die Eingänge.”

 

Die Sprache, die Stalder verwendet ist - wie aus dem vorherigen Abschnitt hervorgeht - bildhaft und ausgeschmückt, jedoch trotzdem angenehm und einfach zu lesen und keineswegs zu kompliziert.
Trotz ausführlicher Beschreibungen der Umgebung sind Stalders Sätze meist kurz und prägnant. Für besonders ausführliche Passage verwendet er meist mehrere kurze Sätze, die nicht lange auf die Fortsetzung der Handlung warten lassen. Ab und zu verbaut er Fremdwörter oder Wörter die im Allgemeinen nicht (mehr) so bekannt sind, wie etwa "bölken" (blöken, nur eben für Ochsen und Kühe) oder "Kleinod"(Altdeutsch für Schmuckstück). Diese Wörter stören jedoch keinesfalls, da sie sich durch ihren Kontext eigentlich von selbst erklären. “Du bist einzigartig. Ein Kleinod, ein Edelstein – jemand wird sich auch für dich finden«, ermutigte er sie.” Trotz des leicht mittelalterlichen Hintergrunds bedient er sich nicht der damaligen Sprache sondern verwendet in den Dialogen weitestgehend Alltagssprache.

 

Der Leser wird indirekt dazu aufgefordert sich über den zentralen moralischen Zwist Gedanken zu machen. Durch verstecke Metaphern weißt der Autor auf "Gut" und "Böse" hin.
Dies geschieht zum einen durch die zahlreiche Verwendung von "Schwarz","Weiss" und "Grau", was in der Reihe den drei möglichen Lebensweisen entspricht, jeder lässt sich früher oder später in eine dieser Kategorien einordnen. Durch Gegenstände, Bauwerke oder Personen, bei denen bestimmte Attribute mit einer der genannten Kontraststufen beschrieben werden, wird oft eine Eigenschaft wie "Gut" oder "Böse", aber auch innerliche Änderungen impliziert. Beispielsweise ändert sich bei einem Gefangenen die Augenfarbe von schwarz zu grau als dieser verstirbt. Außerdem taucht sehr oft die Zahl drei auf, die vermutlich ein Hinweis auf das Kontrast-Dreibein sein soll.

 

Die Handlung ist im gesamten Buch sehr schlüssig. Trotzdem ist der nächste Schritt beziehungsweise das Geschehen im Allgemeinen nur schwer vorhersehbar.
Es wird ständig für Verwirrung gesorgt. Charaktere, die neu auf den Protagonisten treffen erwecken Anfangs meist einen Vertrauen, hinterlassen am Ende jedoch den eigenartigen Eindruck, dass etwas an ihrer Geschichte nicht stimmt. Die Weisen stellen beispielsweise ihre Standpunkte und Motivationen im Großen und Ganze überzeugend vor, widersprechen sich am Ende jedoch allesamt gegenseitig. Dem Leser ist bis zum Ende hin nicht klar, wem er vertrauen schenken soll und kann somit im Nachhinein eigentlich logische Wendungen nicht vorhersehen.

 

Der anfängliche Eindruck und der Eindruck am Ende des Buches weichen stark voneinander ab. Dies ist für den Leser ein schleichender Prozess.
Zu Beginn des Buches hat der Leser, zumindest erging es mir so, einen sehr klaren und simplem Eindruck. Die Erwartung: ein schmerzerfüllter zorniger Wanderer mit dem Ziel seine Freundin aus der Dämonenwelt zu befreien wird in die Stadt rennen und sich mit seinen Fähigkeiten den Weg in die Unterwelt freikämpfen(Rambo!). Stück für Stück verkompliziert sich alles, es erscheinen immer mehr Parteien auf der Bildfläche, alles wird immer verrückter, bis man schließlich gar keinen Eindruck mehr hat und komplett das eigentliche Ziel aus dem Fokus verliert. Am Ende des Buches ist dem Leser überhaupt nicht mehr klar, ob der Protagonist die richtigen Entscheidungen getroffen hat und was man hätte anders machen können. Der Eindruck am Ende von Madrak ist ein sehr nachdenklicher, auch wenn sich die Erwartungen was Action anbelangt mehr als nur erfüllen.

 

 

Fazit:
Der Roman "Madrak" zeigt sehr vielschichtig den inneren Zwist des Wanderers auf, der eine schwerwiegende Entscheidung für das Wohl einer ganzen Stadt treffen muss und dabei mehrmals auf moralisch fragliche Weise zum Handeln gezwungen wird. Der Leser wird unabhängig davon, ob man die vorherigen Werke gelesen hat, in ein wunderbar verwirrendes Abenteuer gezogen. Dabei wird man häppchenweise mit allem was man zur Vorgeschichte und aktuellen Ereignissen wissen sollte im Verlauf des Buches gefüttert, wobei eine gesunde Mischung aus Handlung und Beobachtungen entsteht.

 

Das magische Hintergrundsystem ist für den einen oder anderen High-Fantasy-Fanatiker vielleicht ein wenig simpel, wobei mehr den Rahmen dieses Buches sprengen würde. Allerdings ist es noch sehr ausbaufähig und mehr Komplexität hätte aus meiner Sicht doch die Spannung für kommende Bände etwas gedämpft. Die Struktur der Unterwelt mit ihren fünf Dämonen-Rängen macht auf jeden Fall Appetit auf mehr und verspricht noch so Einiges.

 

Durch unglaublich realistische und detaillierte Beschreibungen und einen sehr angenehmen Schreibstil, welcher aus meiner Sicht die größte Stärke dieses Werkes ist, taucht man als Leser tief in die Geschichte ein. Anstelle eines stillen Beobachters scheint man selbst Teil des Abenteuers zu sein und staunt man über die Stadt mit ihren Tempeln, ihren Gerüchen und seinem Ambiente, schlendert über glühende Punktr an den Wänden, staunend durch eine prächtige Höhle und spürt die düstere Stimmung im Kerker am eigenen Leibe.

 

Auch wenn mir dieser Roman für eine Leserunde bereitgestellt wurde, ist er aus meiner Sicht jeden Cent Wert, weshalb Ich mir auf jeden Fall ein Taschenbuch-Exemplar zulegen werde. Insgesamt ist "Madrak" ein sehr vielseitiger düsterer Roman mit vielen unerwarteten Wendungen, viel Verwirrung und genau der richtigen Menge Action, der sich mit "Richtig" und "Falsch" auseinandersetzt um dem Leser somit einige moralische Fragen mit auf den Weg gibt. Kaufempfehlung!


Der Wanderer: Madrak - Dominique Stalder

ab 5,49€
Der Wanderer: Madrak - Dominique Stalder
9

Story

9.0/10

Charaktere

8.5/10

Schreibstil

9.5/10

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